|
In der noblen Villa der Familie Berling wird die Verlobung von Elfie und Gerald gefeiert - ganz so, wie es sich gehört, wenn der Brautvater ein erfolgreicher Unternehmer ist. Und auch die Zukunft der jungen Leute verspricht einiges. Plötzlich aber steht ein Kommissar vor der Tür. Unbeeindruckt von Geld und Status wird er zum unheimlichen Gast des Festes, spricht Wahrheiten aus und fordert welche, zieht Verdrängtes und Verstecktes gnadenlos ans Licht. Aus der gemütlichen Feier wird eine Abrechnung mit der ganzen Familie. Der Kommissar berichtet vom Tod eines Mädchens, das jeder von ihnen ohne das Wissen der anderen kannte und dem jeder auf seine Weise Leid zufügte. Als er geht, bleibt die Familie verstört und hilflos zurück. Das Leben der Familienmitglieder und ihre Souveränität scheinen auf Sand gebaut, alle Fassaden sind eingestürzt. Was bleibt ist die Frage: Wer überhaupt war dieser Kommissar? Eine Frage, die für kurze Zeit den Schluss zulässt, dass es ihn nicht gegeben hat. Kriminalstück, soziales Drama, Psycho-Thriller? Priestleys Werk „An Inspector Calls“ ist schwer einzuordnen. 1944/45 innerhalb einer einzigen Woche entstanden, wurde das Stück im Sommer 1946 in Moskau uraufgeführt und hatte im Oktober 1946 seine Londoner Premiere. Priestley, der nach seiner Kaufmannslehre, Kriegsteilnahme und dem anschließendem Studium als Dreißigjähriger zu schreiben begann, musste lange um seine Anerkennung kämpfen. Heute werden seine Stücke mit Erfolg gespielt - auf deutschen Bühnen besonders. „Ein Inspektor kommt“ ist seine dramatische Anklage gegen Gewinnsucht und menschliche Kälte. Adelheid Müther, die zuletzt für die Fritz-Reuter-Bühne „De Dood in'n Appelboom“ inszenierte, hat die Regie übernommen.
|