| Fröhlich tanzen "Die Bremer Stadtmusikanten" Ein Märchen als Ballett für Kinder. Mit den getanzten Bremer Stadtmusikanten beschreitet Schwerin erneut neue Wege. Mutig, erfolgreich.
Die erste, prägende Erfahrung mit dem Theater war für viele Theater-Fans das Weihnachtsmärchen. In der Regel war es das Schauspiel, manchmal das Musiktheater, selten das Ballett.
Das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin bietet mit „Frau Holle", der Oper „Hänsel und Gretel" und nun den getanzten Stadtmusikanten in dieser Spielzeit in allen drei Sparten Märchenhaftes. Nach der Premiere des Märchenballetts „Die Bremer Stadtmusikanten" am Sonnabend im E-Werk, nach dem kräftigen, von lautstarkem Fuß-Getrampel unterstützten Applaus, muss man kein Prophet sein, um auch dieser Form des Märchens Erfolg vorherzusagen.
Davina Kramer und Robert Viehweg - Tänzer der Schweriner Ballett-Compagnie - haben zu Musikcollaqen aus Kompositionen von Schostakowitsch, Tschaikowski, Mozart, Salieri, Bizet u. a. eine eigene Fassung des alten Märchens choreografiert. Sie erweitern die Geschichte, indem sie vier weitere Märchen mit einbeziehen: Jedes Tier, das nach Bremen will, kommt aus einem anderen Märchen angetanzt: Der Esel hat in „Tischlein, deck dich!" keine Lust mehr, Goldtaler zu spucken. Der Hund ist Freund und Trostspender von „Aschenputtel". Als Aschenputtel Prinzessin wird, bleibt der Hund zurück. Ähnlich ergeht es der Katze, die als „Gestiefelter Kater" mit viel Raffinesse den Müllerburschen zum Schwiegersohn des Königs machte. Die Herrschaften ziehen ab und zurück bleibt eine traurige Katze. Aber nicht resignieren, mit Esel und Hund macht sich die Mieze auf den Weg nach Bremen - wobei noch der Hahn dazuflattert, der im Auftrag von „Frau Holle" Gold und Pech über die Marien verteilte. Das tierische Quartett ist komplett.
Allerdings gilt es auf dem Weg nach Bremen noch ein ziemliches Abenteuer zu bestehen: Die Räuber - eine unorganisierte, verfressene Bande -müssen aus ihrer Hütte verjagt und das Häuschen verteidigt werden. Natürlich schaffen das die Freunde und nach 45 tänzerischen Minuten gibt es ein fröhliches Märchen-Ende.
Klar und übersichtlich, absolut verständlich für Kinder, ist das Ballett choreografiert, aber dennoch nicht ohne technische, tänzerische Schwierigkeiten, die von den Tänzerinnen und Tänzern überzeugend gemeistert werden. Julio Miranda ist ein melancholischer, aber starker Esel, Simon Herrn ein freundlicher, tollpatschiger Hund, der ritterlich die anmutige, kapriziöse Katze von Silvia Pisani umsorgt. Annelies Waller als Hahn flattert keck, aufmerksam, kampfeslustig durch die Szene. Das gesamte Ensemble charakterisiert seine Parts mit Stil und Charme, Witz und Augenzwinkern. Lob für das fantasievolle Bühnenbild von Ullrich Altermann, auch für die Kostüme von Bettina Lauer und für die Arbeit der Maske.
So, wie die Stadtmusikanten in Schwerin getanzt werden, sind sie beste Unterhaltung und ja - Anstoß für eine lebenslange Theaterbegeisterung.
von Karin Gustmann
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