ZUR STARTSEITE 00 KONTAKT PRESSESPIEGEL TICKETS
HOMEPAGE
 
SPIELPLAN
SCHLOSSFESTSPIELE
REPERTOIRE
DAS HAUS
KONTAKT
ZURÜCK
05 KONTAKT
  • Kontaktdaten
  • Pressemeldungen
  • Pressespiegel
  • Freunde des Theaters
  • Bürgerstiftung
  • Mecklenburger Besucherring
  • Theaterpädagogik
  • Intern
  • Links


  • Pressestimme zu

    Spieltrieb

    Quelle: Leipziger Volkszeitung
    vom: 09. Dezember 2009
    Mehr Infos zu: Spieltrieb



    Laufen wider die Gefühle

    Peter Kube inszeniert Juli Zehs „Spieltrieb" im E-Werk des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin

    Unter jungen Regisseuren ist es Mode, von „Versuchsanordnungen auf der Bühne" zu sprechen. Das soll heißen, dass hier keinesfalls reale Geschichten eins zu eins abgebildet, sondern lediglich prototypische Menschheitssituationen skizziert werden sollen. Das sagt noch nichts über die Qualität des Ergebnisses aus, das erkenntnisfördernd sein oder im Nichts verhallen kann.

    Im Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin, das als eines der ersten Häuser im Osten einen Roman von Juli Zeh, Absolventin des Deutschen Literaturinstituts Leipzig, auf die Bühne bringt, ist die Versuchsanordnung schon in der Vorlage gegeben: Die 15-jährige Ada - rotzig, intelligent, unangepasst - steht über allen Dingen, bis der überheblich-charmante Mitschüler Alev sie überredet, den Lehrer Smutek zu verführen. Er filmt den Akt, fortan hat das Duo Smutek in der Hand und zwingt ihn dazu, immer wieder Sex mit Ada zu haben. Seine Schuld vergrößert sich bei jedem Mal, macht ihn immer mehr erpressbar.

    Die Inszenierung von Peter Kube ist quasi das Gegenteil zu den Schöpfungen der zu Beginn erwähnten Regisseure: Während sie einen Stoff auf ihr Grundgerüst zurückrechnen und eine abstrakte Formel für Gefühle, Machtstrukturen und den ganzen Rest suchen, macht Kube aus Zehs eher theoretischer Was-wäre-wenn-Konzeption auf der Bühne eine fetzige Geschichte, mit kleinen Tanzeinlagen, Videoeinspielungen, einer Mutter, die den Freund der Tochter umgarnt. Das kann zwar sehr unterhaltsam sein, etwa wenn die grandiose Brigitte Peters als Adas Mutter von einer Unmöglichkeit in die nächste fällt. Diese Inszenierung macht jedoch aus der rätselhaft-philosophischen Vorlage ein etwas zu plastisches Kabinettsstück.

    Die Geschichte ist zugegebenermaßen schwer auf die Bühne zu bringen, denn sie lebt von der unglaublichen Kaltblütigkeit der jungen Protagonisten. Zeh gelingt es, insbesondere Ada als vollkommen gefühllos darzustellen, jede Ahnung, da könnte doch eine Regung sein, wird sofort negiert. Auf der Bühne bricht diese Maske mit einer sinnlich erfahrbaren Ada naturgemäß auf, wechselt Ida Weiß zwischen tough (im Umgang mit Smutek und dem in sie verknallten Nerd Olaf) und verletzlich (im Umgang mit Alev und ihrer Mutter).

    So zeigt das E-Werk des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin eine durchaus sehenswerte Parabel vom Erwachsenwerden und Revoltieren gegen Konventionen. Dennoch geht auf dem Weg von der Literatur ins Theater etwas verloren. Denn Zeh schrieb eben von mehr als einer pubertären Scheißegal-Haltung. Sie fand dafür die bestechende, philosophisch anmutende Formel: „Mir ist es gleich gültig", mit einer bewussten Pause zwischen den Wörtern. „Von mehren Optionen sind mir alle gleich viel wert."

    Die Inszenierung bebildert meist, statt zu interpretieren, die einzige Ausnahme ist gelungen: Kube stellt das Motiv des Laufens in den Mittelpunkt. Smutek und Ada leiten joggend und schnaufend die Szenen ein, finden im Training einen Ausweg aus ihrer Gedankenwelt, obwohl Ada das nicht zugeben will: „Das ist hier aber keine Selbsthilfegruppe, oder?" Laufen wider die Gefühle. Das Bühnenbild (Jens Büttner) trägt den Gedanken fort, atmet den Charme einer verranzten Sporthalle: Hier ist der Ort, an dem sich Smutek und Ada zum Geschlechtsakt treffen. Diese Sport-Kulisse passt, denn sie lässt die Ungeheuerlichkeit hervortreten, mit der Ada ihren Körper einem anderen überlässt. Zur Befriedigung des Spieltriebs, dessen im Programmheft betonte mathematische Dimension zur Untersuchung rationalen Verhaltens in der Inszenierung nicht erkennbar wird. Auf der Bühne wirken die Spieler eher getrieben als triebhaft.

    von Nina May

    weiteralle Pressestimmen

    MVweb
    ZURÜCK NACH OBEN