| Frau Holle und das Rentier „Flocke!" „Nein der andere, der Matsch." „Nein, Goldmarie, ich fand die Goldmarie am besten!" „Ich auch." Bibiana und Elisa brauchen ein wenig, um sich festzulegen, wer ihnen denn nun am besten gefallen hat, gestern Mittag im Mecklenburgischen Staatstheater.
„Frau Holle" feierte Premiere, das Haus war voll, das Publikum begeistert. Das Weihnachtsmärchen am Theater hat Tradition in Schwerin und traditionell eine hohe Qualität. Die eigentliche Zielgruppe, die Kinder, waren bei der Premiere klar in Unterzahl. Für den Besuch des Weihnachtsmärchens borgen sich Großeltern die Enkel, und so manch Erwachsener wurde ganz ohne kindliche Begleitung gesehen.
Für uns aber saßen Bibiana (7) und Elisa (9) als sachkundige Kritiker im Parkett. Sie haben den Vergleich, haben die letzten Weihnachtsmärchen dort gesehen, gefallen haben ihnen alle, „Frau Holle" auch. „Der Weihnachtsmann war cool", sagt Elisa. „Ja, der war witzig", freut sich Bibiana. Nur als der Frau Holle küsste, das war nun doch ein bisschen eklig. Moment mal: Der Weihnachtsmann, küsst Frau Holle? So steht das aber nicht im Märchen. Elisa nickt: „Das war toll, dass die Geschichte ganz anders erzählt wurde." Und Flocke (Bernhard Meindl) und Matsch (Markus Wünsch) haben sich in die Herzen der kleinen Kritiker gesungen und getanzt. Nur dass Matsch sich am Ende ausgerechnet in die Pechmarie (Johann Zürner) verliebte, hat ihn den Titel „Liebling der kleinen Kritikerin" gekostet. „Der war wohl ein bisschen Matsch im Kopf." Und dass dem Vater der kleinen Kritikerinnen der pädagogische Zeigefinger dabei ein wenig zu groß war, und ihm das Wort „pädagogisch", von der Bühne in den Saal gesprochen, wehtat, sei nur am Rande erwähnt, die Kleinen haben es gar nicht bemerkt.
Sie hatten genug zu tun, mussten dem Weihnachtsmann den Weg weisen, der Goldmarie helfen und die Pechmarie ausbuhen. „Du bist doof", schallte es ihr aus der Tiefe des Zuschauerraumes entgegen. Das hatte sie nun wirklich nicht verdient. Als Trost bekam sie am Ende den meisten Beifall. Denn schließlich sorgte ihr Nichtstun für den größten Kracher auf der Bühne.
„Das war cool, als der Backofen explodierte", sagt Elisa. Bibiana: „Ja, da war alles voll Rauch."
Angst haben sie keine gehabt: „Naja, ein ganz bisschen vielleicht." Gelacht haben sie umso mehr. Am meisten über Rudi, das Rentier, das eingeschnappt dem Weihnachtsmann abgehauen war, weil der ihm keinen Glühwein abgegeben hatte. Nun hoppelte Rudi im wahrsten Wortsinn als „Running Gag" immer wieder durchs Bühnenbild. Spaß hatten alle, auch die Erwachsenen. Während für die kleinen Testerinnen 75 Minuten wie im Fluge vergingen, durften die Großen sich so schöne Sätze mit nach Hause nehmen wie: „Die Liebe brennt die Klugheit fort." Nun braucht ein richtiges Märchen ein gutes Ende. Liebe wurde gestanden, Küsse ausgetauscht. „Wie peinlich", sagt Bibiana, hält sich ein bisschen die Augen zu. Und dann klatschen kleine Kritikerinnenhände begeistert Beifall. Große auch.
Zu Hause ein Blick ins sonntägliche Kinderzimmer: „Ihr müsst dringen aufräumen!" „Wenn alle Kinder so fleißig wie die Goldmarie wären, würde es das ganze Jahr lang schneien!" - „Wer sagt das?" - „Frau Holle." Schöne Bescherung!
von Roland Regge-Schulz
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