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    Schwarzes Tier Traurigkeit

    Quelle: Lübecker Nachrichten
    vom: 01. März 2009
    Mehr Infos zu: Schwarzes Tier Traurigkeit



    Die Kinder der Spaßgesellschaft treffen das „Schwarze Tier Traurigkeit“

    Sie fahren mit einem VW-Bus in den Wald, feiern ein Grillfest, übernachten in Zelten. Sechs Großstädter, zwei Frauen und vier Männer, alle zwischen 30 und 40, und ein Baby. Small Talk, leichtes Leben, lose Beziehungen. Was wie ein lockeres Vergnügen beginnt, endet in blankem Horror. Ein Funke löst einen verheerenden Waldbrand aus, Mutter und Kind verbrennen, andere sind schwer verletzt.

    Das Stück „Schwarzes Tier Traurigkeit“ der Berliner Autorin Anja Hilling (33) beschreibt eine Katastrophe. Es beschreibt aber auch, was danach geschieht. Was richtet die Katastrophe in den Herzen und Köpfen der Menschen an? Markus Wünsch, der den Text im E-Werk des Schweriner Staatstheaters inszeniert hat, gibt darauf eine ernüchternde Antwort: Nach dem Schock gibt es weder Innehalten noch Neuanfang.

    Wünsch hat das Stück gleichsam skelettiert. Kein Kulissenzauber, kein Actionprogramm decken das zu, worauf es hier ankommt: die Sprache. Die sechs Figuren, Kinder der Spaßgesellschaft, sitzen auf Barhockern und lassen allein durch ihr Sprechen das Geschehen erstehen. Mit einer Intensität, die (fast) ohne Aufschrei und Loskreischen auskommt und dennoch viel packender ist als so mancher theatralischer Kraftakt. Der Minimalismus der Aufführung wird noch verstärkt durch die Bühnengestaltung von Franziska Just, bestehend aus einer einzigen großen Bildgeste: einem Portal, bestückt mit Neonröhren, die grün (Wald), rot (Feuer) und weiß (Klinik) aufleuchten. Hier werden nicht Wirklichkeiten imitiert, sondern Stimmungen evoziert. Der genau passende Rahmen für dieses Libretto für Stimmen, das nie in Gefahr ist, zum bloßen Hörspiel zu degenerieren. Trotz aller Reduktion auf die Sprache ist die Körperlichkeit der exzellenten Schauspieler unverzichtbar. Wortsprache und Körpersprache aus einem Guss. Die großen Gefühle, entfacht in der Hitze der Nacht, verglimmen in der Normalität des Alltags. Jennifer (Anja Werner) flüchtet zurück in die Arme ihres Ex-Mannes Paul (Jochen Fahr), Martin (This Maag) verlässt Oskar (Hagen Ritschel) und verliebt sich in Flynn (Florian Rummel). Das Leben geht weiter. Nur die im Feuer umgekommene Miranda (Charlotte Sieglin) und der später aus dem Fenster gestürzte Paul sind am Ende tot. Die Katastrophe fordert doch Opfer.

    von Hermann Hofer

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